Netto-Null in der Produktion: Wie die WEFASwiss AG Effizienzpotenziale nutzt

Die WEFASwiss AG in Thayngen ist ein produzierendes KMU der Metallindustrie und Teil der WEFA Gruppe. Der Standort beliefert ausschliesslich den asiatischen Raum. Kurze Lieferfristen, hohe Präzision und ein energieintensiver Produktionsbetrieb prägen den Alltag.

Der Fall WEFA zeigt, wie ein produzierendes KMU aus der Region das Thema Netto Null technisch angeht: Mit Fokus auf Scope 1 und 2, klaren Effizienzmassnahmen und einem realistischen Blick auf die Grenzen. Umwelt- und Energiethemen sind im Unternehmen seit Jahren verankert: Seit 2014 werden Daten systematisch erfasst, in Zusammenarbeit mit dem (ITS). Die WEFA Gruppe ist EMAS-zertifiziert. Marcel Wehrli, Produktionsleiter und Prokurist der WEFASwiss AG in Thayngen, sagt: „Die gesamte CO₂-Bilanzierung ist bei uns schon länger ein Thema.“

Scope 1 und 2: Energieverluste vermeiden statt kompensieren

Im Fokus stehen Emissionen aus dem eigenen Betrieb sowie aus dem Energiebezug. Ziel sei es, möglichst wenig zu kompensieren, erklärt Wehrli. Zwar würden die verbleibenden Emissionen in der Schweiz und in Deutschland seit Jahren kompensiert, im Zentrum stehe jedoch klar die Reduktion durch Effizienzsteigerung.
Die grössten Energieverbraucher sind die Produktionsmaschinen und die Druckluft. Gleichzeitig entstehe dabei viel Abwärme, die konsequent genutzt wird. So wird die Abwärme der Kompressoren für die Beheizung der Verwaltung eingesetzt. Durch Optimierungen konnte der Gasverbrauch laut Wehrli um rund 80 Prozent gesenkt werden: „Man spart einfach Geld, wenn man die Systeme nutzt, die man so oder so schon hat. Daraus resultiert auch ein super ROI.“

Abwärmenutzung, Photovoltaik und Speicherlösungen

Aktuell wird ein Projekt umgesetzt, bei dem Abwärme aus dem kompletten Kältenetz über eine Wärmepumpe ins Heizungsnetz eingespeist wird. Bislang wurde ein grosser Teil dieser Energie an die Umgebung abgegeben. Parallel wurde die Photovoltaikanlage stark ausgebaut und liefert je nach Saison bis zu 300 Kilowatt.
Zudem wurde die Beleuchtung im gesamten Betrieb auf LED umgestellt. Mit dem Neubau verfolgt das Unternehmen das Ziel, Wärme und Kälte zeitlich zu verschieben: Kühlwasser wird nachts heruntergekühlt und tagsüber genutzt, Wärme dann erzeugt, wenn die Wärmepumpe effizient arbeitet. Die neue Bodenplatte dient als thermischer Speicher von rund 300’000 Litern Wasser, um Energie flexibel zu puffern.

Konzernvorgaben als Rahmen

Seit diesem Jahr wird ausschliesslich Biogas bezogen, die Fahrzeugflotte muss unter 90 Gramm CO₂ pro Kilometer liegen. Am Standort Thayngen sind alle Firmenfahrzeuge elektrisch, neue Fahrzeuge werden, wo möglich, elektrisch angeschafft.

Scope 3: neue Erkenntnisse und begrenzte Handlungsmöglichkeiten

Letztes Jahr wurde erstmals Scope 3 analysiert. Dabei zeigten sich unerwartet hohe Emissionen durch Verpackungsmaterial und Transport. Da die Produkte schnell geliefert werden müssen, erfolgt der Transport ausschliesslich per Luftfracht. Das macht rund 20 Prozent der Scope 3-Emissionen aus. Auch der Pendlerverkehr spielt eine Rolle: 10 Prozent der Scope 3 stammen von Mitarbeitenden. Um dem entgegenzuwirken, stellt das Unternehmen Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge kostenlos den Mitarbeitenden und Gästen bereit.

Wo Netto Null an Grenzen stösst

Für WEFA zeigt sich: Das Netto-Null-Ziel berücksichtigt das Produktionsvolumen nicht. Wachstum wirkt sich also emissionsseitig nicht relativierend aus. „Wenn ich verkleinere, ist es einfacher“, erklärt Wehrli.
Zudem verursachen vorgelagerte Prozesse, insbesondere die Stahlproduktion, einen grossen Teil der Emissionen – CO₂-armer Stahl ist aktuell kaum verfügbar. Auch Transportwege und Luftfracht setzen klare Grenzen für weitere Reduktionen.

Unterstützung als entscheidender Faktor

Die WEFASwiss AG wurde vom ITS begleitet, welches externe Fachstellen hinzuzog. Unterstützung umfasste Berechnungen, Plausibilitätsprüfungen und Hinweise zu Förderinstrumenten. „Die Unterstützung hilft, aber das Doing bleibt immer bei einem selbst“, sagt Wehrli. Besonders hilfreich seien Hinweise auf Fördermöglichkeiten und eine realistische Einschätzung von Projekten gewesen.

Ein pragmatischer Rat an andere KMUs

KMUs, die sich erstmals mit Netto Null befassen, empfiehlt Wehrli, bei Scope 1 und 2 anzusetzen und die eigenen Energieverluste zu analysieren: Gas, Strom, Abwärme. „Das sind die einfacheren Fragen, die sich jeder selbst stellen kann.“ Für weitergehende Schritte rät er klar zur Nutzung bestehender Unterstützungsangebote. Scope 3 bleibe schwierig, trotzdem sei es sinnvoll, den aktuellen Stand frühzeitig zu erfassen, auch mit Blick auf mögliche zukünftige Anforderungen aus internationalen Märkten: „Wenn ein Empfängerland irgendwann einen CO₂-Nachweis verlangt, müssen wir liefern können.“