Netto-Null Interview mit Werner Schmid, Phoenix Mecano
«Die Wirtschaft wäre auch ohne Erdöl gewachsen – wir gehen den Weg heute einfach 100 Jahre später»
Netto-Null klingt für viele KMUs nach einem hohen, steilen, vielleicht fast unüberwindbaren Berg. Gesetze, Scopes, Förderinstrumente, Technologien, Reportingpflichten – wer sich nicht täglich damit beschäftigt, verliert schnell den Überblick. Und sind wir mal ehrlich – wer hat die Zeit dafür im Daily Business.
Das zeigt auch der Blick auf Phoenix Mecano in Stein am Rhein: Selbst ein international tätiges Industrieunternehmen geht diesen Weg nicht allein – sondern Schritt für Schritt, mit externer Unterstützung und einem klaren Plan.
Klare Ziele, pragmatischer Fokus
Phoenix Mecano orientiert sich an den Netto-Null-Zielen des Konzerns: minus 50 % Emissionen bis 2030 (gegenüber 2020) und Netto-Null bis 2050. Im Fokus stehen aktuell Scope 1 und Scope 2 – also Emissionen aus dem eigenen Betrieb sowie aus dem Energiebezug. Scope 3 spielt derzeit noch eine untergeordnete Rolle.
Dieser pragmatische Fokus ist bewusst gewählt. «Man muss wissen, wo man ansetzen kann – und was realistisch ist», sagt Werner Schmid. Genau hier beginnt der Weg: nicht mit Perfektion, sondern mit einer sauberen Standortbestimmung.
Erfolge dort, wo es naheliegt
Im Bereich Strom (Scope 2) ist Phoenix Mecano bereits bei Netto-Null. Eine eigene Photovoltaikanlage deckt rund ein Drittel des Strombedarfs, der restliche Strom stammt vollständig aus erneuerbaren Quellen – hauptsächlich Schweizer Wasserkraft.
Komplexer ist Scope 1: Heizung, Prozessenergie und Fuhrpark. Zwei ölbetriebene Öfen liefern heute noch Wärme für Gebäude und Produktionsprozesse. Sie erreichen spätestens 2030 ihr End of Life. Statt abzuwarten, erarbeitet das Unternehmen bereits heute gemeinsam mit externen Fachstellen einen konkreten Ersatzplan – inklusive Messungen, Szenarien und Technologieentscheidungen.
Unterstützung ist kein Luxus – sondern Voraussetzung
«Wenn man nicht vom Fach ist, geht es ohne externe Beratung nicht», bringt es Werner Schmid auf den Punkt. Förderinstrumente, gesetzliche Vorgaben, technische Optionen: Niemand kann in allem à jour sein. Phoenix Mecano arbeitet deshalb mit mehreren Partnern zusammen – unter anderem für Energieanalysen und Zukunftskonzepte.
Und selbst dann bleibt die Komplexität hoch. Unterschiedliche Kunden, unterschiedliche Assessments, unterschiedliche Reporting-Anforderungen. «Ich habe innerhalb weniger Wochen mehrere völlig unterschiedliche Abfragen erlebt – und teilweise nicht einmal verstanden, was genau verlangt wird», so Schmid. Heute betrifft das Scope 1 und 2 – mit Scope 3 wird es nochmals anspruchsvoller.
Warum genau hier KMUs Unterstützung brauchen
Was bei einem grossen Industrieunternehmen schon herausfordernd ist, kann für KMUs schnell überwältigend wirken. Zeit, Ressourcen und Fachwissen sind begrenzt. Genau deshalb ist Unterstützung entscheidend – nicht als theoretisches Regelwerk, sondern als praxisnahe Begleitung.
Hier setzt das Innovations- und Technozentrum Schaffhausen (ITS) an: als neutraler Ansprechpartner, der Orientierung schafft, Wissen bündelt, Kontakte vermittelt und den Einstieg erleichtert. Nicht jedes Unternehmen muss das Rad neu erfinden – und schon gar nicht den Weg allein gehen.
Netto-Null ist kein Absturzrisiko – sondern eine Lernkurve
Viele der vermeintlichen Risiken entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als handhabbar. Technologien entwickeln sich weiter, Fördermittel stehen bereit, und nicht jede Massnahme muss sofort umgesetzt werden. Entscheidend ist, überhaupt zu starten.
Oder wie Werner Schmid es formuliert:
«Die Erderwärmung ist Fakt. Dass wir so viel CO₂ ausstossen, ist nicht clever. Gegensteuer zu geben ist nicht nur notwendig – es ist auch eine Chance.»
Vielleicht wäre die Wirtschaft auch ohne Erdöl gewachsen. Heute gehen wir diesen Weg einfach später – aber mit mehr Wissen, besseren Technologien und mit Unterstützung.
Das ITS hilft dabei, den Berg nicht alleine zu besteigen – und zeigt, dass der Weg weniger steil ist, als er auf den ersten Blick wirkt.